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Rubrik: Pflanze / Tier / Thema des Monats

 

November 2018: Die Esskastanie ( castanea sativa )

Esskastanie

Die Esskastanie, auch Edelkastanie, wurde von der Sylvius-Wodarzstiftung zum Baum des Jahres 2018 gewählt.

Sie gehört zu der Familie der Buchengewächse, den Fagaceen und stammt aus Kleinasien. Seit der Römerzeit ist sie durch menschlichen Einfluss in Süd- und Mitteleuropa verbreitet. Das Holz war aufgrund seiner Brennkraft geschätzt, die Früchte oder Maronen dienen bis heute der Ernährung. Die Früchte gedeihen allerdings nur in wintermildem Klima der Weinbaugebiete. Bei uns im Stadtwald Filderstadt wurden nach dem Orkan Lothar auf den entstandenen Sturmwurfflächen die ersten Esskastanien gepflanzt. Der imposante Baum ist in ganz Südeuropa, Nordafrika und Westasien verbreitet. Es gibt mehrere Meter dicke Einzelbäume, die bis zu eintausend Jahren alt sein können. Bei uns in Filderstadt müssen wir allerdings kleinere Brötchen backen, hier sind die ältesten Exemplare etwa fünfzehn Jahre alt. Sie tragen bereits, sehr zur Freude der hiesigen Wildschweine, Früchte.

Mit seinem anfangs als Pfahlwurzel, später mit ausgeprägtem Seitenwurzelwerk bestückten Wurzelsystem, ist der Baum sehr stabil bei Sturmwetterlagen. Die Esskastanie kann ganze Waldbestände bilden. Die Wuchsform des Waldbestandes kann sowohl strauch- oder baumförmig sein, je nach Bewirtschaftung.

Esskastanie

Die Früchte haben Vögel und Säugetiere zum Fressen gern. Sie sind sehr nahrhaft, daher werden sie recht häufig durch Samenverbreitung unterschiedlichster Tierarten angesamt. Diese verstecken ihren für den Winter gedachten Vorrat und finden ihn nur teilweise wieder. Wo viel Licht ist, gibt es aber auch Schatten. Leider wird die Baumart gern vom Esskastanienrindenkrebs befallen. Der Baum kann den Pilz meist überleben, jedoch wird das Holz praktisch völlig entwertet. Astfreies Holz aus Hochwäldern wird gerne als Möbelholz verwendet, schwächere Stücke dienen als Weinbau-, Garten- oder Weidezaunpfahl oder liefern Brennholz.

Der kräftige Baum erreicht bei uns in Waldbeständen leicht Höhen von mehr als fünfunddreißig Meter. Er weist oft interessante Wuchsformen auf, geprägt durch starke, gewundene Äste und breiter Krone. Im Freistand, wie in Parkanlagen oder Gärten bleibt er wesentlich niedriger, dafür reagiert er mit einer sehr breiten Kronenanlage. Der Stamm kann ziemlich dick werden und mehrere Meter Umfang erreichen. Die Rinde zeigt sich in der Jugend glatt und grau, im Alter später bräunlich und tief gefurcht mit netzartigen Rissmuster. Die Stämme sind häufig drehwüchsig. So nennt man Bäume, deren Holzfaser sich spiralförmig um die Längsachse windet.

Die kurz gestielten, derben, lederartigen Blätter stehen zweizeilig an den Ästen, sie haben eine lanzettlich geformte, scharfe Spitze. Die Blattnerven treten deutlich hervor und das Blatt weist einen stark gezähnten Rand auf. Sie sind für hiesige Verhältnisse sehr groß, nämlich bis zu zwanzig Zentimetern Länge. Die männlichen Blüten erscheinen von Mai bis Juli. Sie fallen durch die gelbe Färbung und Kätzchenform, mit bis zu fünfzehn Zentimeter Länge, auf. Der Baum ist einhäusig. Das bedeutet, dass sowohl männliche als auch weibliche Blüten am selben Baum vorkommen.

Die stachelige Fruchthülle, anfangs grün, später gelb, zerfällt in vier Lappen. Sie enthält die Samen, die essbaren Maronen. Geröstet sind sie eine Delikatesse auf unseren Märkten im Herbst und Winter. Die Maronen enthalten auf einhundert Gramm umgerechnet etwa 27 Gramm Vitamin C, zusätzlich Vitamin B1 und B2. Hinzu kommt ein hoher Mineral- und Ballaststoffanteil. Roh schmecken sie etwas mehlig. Durch Kochen tritt der süße Geschmack, bedingt durch vierzehn Gramm Saccharose Anteil, hervor. Als Beilage zu Wildgerichten werden sie gerne serviert.

Bei uns in Filderstadt kann sie als Besonderheit im Zuge der Klimaerwärmung einen kleinen Anteil an den Waldbeständen einnehmen. Das Hauptaugenmerk sollte allerdings auf den heimischen Laubgehölzen liegen.

Text und Fotos: E. Hellstern


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